Vintage-Kamera: Revueflex SC 2

Die preiswerteste Kamera von Quelle Anfang der 1980er Jahre - voll manuell - meine erste Spiegelreflexkamera.

Revueflex SC2 mit Auto Revuenon 1:2,8 50mm

Die Revueflex SC2

Richtig begonnen hat die Fotografie für mich Anfang der 1980er Jahre mit der Revueflex SC2 (baugleich mit der Chinon CM-4 und der Agfa Selectronic 1), die ich als Set zusammen mit dem Standardobjektiv Auto-Revuenon 1:1,9/50mm direkt in Bremen bei Quelle für 399 DM gekauft hatte. Was war ich stolz!

Und über 35 Jahre später dachte ich eigentlich, das Thema "Analoge Fotografie" nicht mehr anzugehen. Zu groß die Probleme mit Beschaffung, Entwicklung und Digitalisierung der Filme, digital zu fotografieren ist doch so einfach.
Aber Anfang 2017 lief ich am Schaufenster eines Pfandhauses vorbei und erblickte meine erste SLR - nun, nicht meine, nein, ein gleiches Modell. In vollkommener, nostalgischer Vernebelung betrat ich den Laden, hörte dann noch den ausgerufenen Preis von 40 Euro und trat -um eine Kamera mit viel Gedöns reicher- wieder auf die Straße.

Die SC2 wurde begleitet von ihrem Normalobjektv Auto Revuenon 1:1,9 50mm, dem Weitwinkelobjektiv Auto Revuenon 1:2,8 28mm und dem Teleobjektiv Auto Revuenon 1:5,6 300mm. Diese Linsen konnte ich mir früher nicht leisten, mein Weitwinkel war eines von Danubia, gebraucht, erheblich billiger (und schlechter). Die Kamera war in einem guten, gebrauchten Zustand. Ich habe sie gereinigt und neue Dichtungen und einen neuen Spiegeldämpfer eingebaut - gar nicht so schwer! Dichtungssätze für Vitage-Kameras gibt es z.B. bei Camerasolution, nicht teuer und mit guter, bebilderter Anleitung. Der Belichtungsmesser misst ordentlich, die Zeiten scheinen zu stimmen, man kann sie wohl als voll funktionsfähig bezeichnen - na gut, der Bildzähler hakt manchmal, aber nach 35 Jahren ...

Kamera und Technik

Die Revueflex SC2 ist eine vollkommen manuelle Spiegelreflexkamera mit Nachführbelichtungsmessung, d.h. über eine rot-grün-rot Ampel wird die Über- bzw. Unterbelichtung angezeigt und mit der Blende oder (schwieriger, da oben auf der Kamera) die Verschlusszeit "nachgeführt". Natürlich ist an der Kamera auch der Fokus manuell, Anfang der 1980er sahen meine ersten Fotos mit der neu erworbenen Kamera dann auch entsprechend aus.

Wenn aber gar nichts automatisch funktioniert, muss man viel lernen. Als Lehrmaterial diente u.a, das Taschenbuch "Andreas Feininger - Die neue Foto-Lehre", in dem der Meisterfotograf sein Wissen über Belichtung, Zeit, Blende, Schärfentiefe, Nah-/Unendlich-Einstellung, Schnappschuss-Einstellung etc. weitergab. Kenntnisse, die mir heute noch helfen, Fotografie und die vielen Kamerafunktionen zu verstehen, egal ob analog oder digital.

Durch das seinerzeit weit verbreitete Pentax-K-Bajonett der Revuekameras tat sich ein riesiger Gebrauchtmarkt auf. Mit den Jahren kamen ein 28er Weitwinkel f2,8 sowie ein 135er Tele mit f2,8 hinzu, keine Originale, preisgünstige Drittobjektive eben. So ging ich dann auf die Pirsch, eine Linse links in der Jackentasche, das andere rechts und eins auf der Kamera. Das Set war sehr robust, hat nichts krumm genommen.

Ich habe sie verkauft, als ich meine erste Minolta hatte. Nur den Blitz "Revuetron bc260" hatte ich mit einem HAMA Servo-Blitzauslöser versehen und noch lange Zeit zur Ausleuchtung von Hintergründen benutzt - bis sich für 10 Euro ein Käufer fand.

Aber ich habe oft gedacht, hätte ich sie nur nicht verkauft ... nun ist wieder eine da!

Links

Weitere Einzelheiten zu dieser Kamera sind im Netz nicht viel zu finden:

Fazit

Fotografieren wie am jüngsten Tag, alles manuell einstellen, an alles denken. Schwierig, langsam, anstrengend, macht aber riesigen Spaß. Die Ergebnisse mit den Originalobjektiven können sich sehen lassen, sie sind ausreichend scharf für s/w-Film, zumal man ohnehin ein etwas gröberes Korn wählt. Einzig das 300er liegt an der kleinen Kamera nicht gut in der Hand, f5,6 ist weich, abblenden bringt es, dann muss es aber richtig hell sein, damit man mindestens 1/250s einstellen kann. Der VR war noch nicht erfunden!


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